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Bayer-Aktie -5%: Das könnte Milliarden kosten

Sehr nachteiliges Gerichtsurteil

Die Bayer-Aktie ist am Mittwochenmorgen mit einem Kursminus von rund -5% einer der ganz großen Verlierer im DAX. Seit dem 3-Monatshoch Mitte März hat der Kurs des Pharma- und Chemieriesen wieder um fast -15% nachgegeben. Wieso steigt die Bayer-Aktie nicht, wo es doch eigentlich gute Nachrichten gibt?

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Gute Nachrichten

In der Tat gibt es zur Abwechslung mal wieder gute Nachrichten aus der Bayer Pharmasparte. Die Leverkusener wollen 2025 drei neue Medikamente auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich um eine Neuentwicklung und zwei Erweiterungen von bereits zugelassenen Präparaten für weitere Indikationen.

Die Neuentwicklung ist das Präparat Elinzanetant, das im Spätsommer in Europa und den USA auf den Markt kommen soll. Elinzanetant, ein hormonfreies Präparat, soll die Beschwerden von Frauen in den Wechseljahren lindern. Bayer erhofft sich Milliardenumsätze mit dem neuen Medikament.

Zudem soll das sehr erfolgreiche Nierenmedikament Kerendia noch im laufenden Jahr zur Therapie einer verbreiteten Art der Herzinsuffizienz zugelassen werden. Und nicht zuletzt will Bayer die Zulassung des populären Prostatakrebsmittels Nubeqa zur Behandlung von metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs erweitern.

Darüber hinaus folgt auch Bayer dem aktuellen Trend in der Pharmaindustrie zur Einlizenzierung von Wirkstoffen. In den vergangenen Monaten haben sich zahlreiche Pharmakonzerne die Vermarktungsrechte von Wirkstoffen kleinerer Pharma- und Biotech-Unternehmen gesichert.

Der deutsche Konzern hat nun die Exklusivlizenz für einen MTA-kompatiblen PRMT5-Inhibitor von Puhe BioPharma aus China erworben. Der Wirkstoff zeigte in einer Phase-1-Studie ein gutes Potenzial zur Bekämpfung von MTAP-delentierten Tumoren.

Eine ganz schlechte News

Der Kursrückgang zur Wochenmitte hat nur indirekt mit Bayer zu tun, könnte den Leverkusener Konzern aber in Zukunft Milliarden kosten. Auslöser war die Niederlage des US-Pharma- und Konsumgüterriesen Johnson & Johnson in einem Rechtsstreit.

Dabei ging es um ein mutmaßlich asbestverseuchtes Babypuder, das J&J bis 2020 in den USA verkaufte, und das mutmaßlich Eierstockkrebs auslöste. Als Reaktion auf die rund 60.000 Klagen von Verbrauchern gegen den Konzern lagerte Johnson & Johnson sein Geschäft mit Verbraucherprodukten in eine neue Gesellschaft aus, die anschließend vom Konzern abgespalten wurde. In einem weiteren Schritt wurde das operative Geschäft von den Lasten durch die Klagen getrennt. Letztere Gesellschaft ließ Johnson & Johnson anschließend insolvent gehen, um sich so der rechtlichen Verantwortung zu entziehen.

Ein US-Insolvenzgericht entschied gestern, dass dieses Vorgehen rechtlich nicht zulässig sei. Für Johnson & Johnson ist das ein herber Rückschlag, denn nun ist der Konzern mit Abertausenden Verbraucherklagen konfrontiert. Das Angebot von J&J, alle Ansprüche von Verbrauchern durch eine Zahlung von 10 Milliarden US$ beizulegen, wurde bislang nicht angenommen.

Anleger fühlen sich beim Lesen dieser Geschichte fatal an die Glyphosat-Story von Bayer erinnert. Auch das Bayer-Management hat das gleiche rechtliche Vorgehen wie Johnson & Johnson in den USA erwogen, um sich der Abertausenden Schadenersatzklagen von Verbrauchern zu entledigen. Dieser Weg ist nun wohl für immer verbaut.

Neues 20-Jahrestief?

Bei der Bayer-Aktie zeichnet sich wieder ein Abwärtstrend ab. Sollte der Support bei ca. 21 € nicht halten, dürfte der DAX-Wert wieder unter die Marke von 20 € rutschen. Dann könnte sogar das 20-Jahrestief bei 18,90 € in Gefahr geraten.

Ein Fass ohne Boden

Seit Jahren warne ich Anleger aufgrund der Glyphosat-Klagen vor einem Investment in die Bayer-Aktie. Sie sind und bleiben ein Fass ohne Boden, dessen Tiefe niemand abschätzen kann.

Die Schadenersatzsummen haben das Zeug dazu, über viele Jahre alle operativen Fortschritte des Leverkusener Konzerns zunichtezumachen. Auf gut Deutsch: So gut es auch im Chemie- und Pharmageschäft bei Bayer läuft, solange die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten nicht endgültig beigelegt sind, ist der DAX-Konzern ein völlig unkalkulierbares Risiko.

Und gut läuft es sowieso nicht bei Bayer. Die Chemiesparte liefert zu geringe Gewinne und in der Pharmasparte muss der Konzern dringend Nachfolger für Blockbuster, deren Patentschutz langsam ausläuft, finden. (Ergänzend sei erwähnt: In Biotech-Report werden zwei Biotech-Unternehmen beleuchtet, die im boomenden Markt der Gewichtskontrolle für Furore sorgen dürften.)

ℹ️ Bayer in Kürze

  • Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
  • Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
  • Das Unternehmen ist im DAX und im Euro Stoxx 50 gelistet. Nach einem massiven Kursverfall beträgt die Marktkapitalisierung rund 21 Milliarden €.

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