Porr, Bauer, Nexus: Warum diese Aktien jetzt profitieren könnten
Seit geraumer Zeit reagieren Investoren auf die Unsicherheiten, die US-Präsident Donald Trump schürt, und ziehen Geld aus den US-Märkten ab. Es fließt ganz offensichtlich nach Deutschland und Europa. Aber ist das nur vorübergehend oder bleibt das längerfristig so? Börsenprofi Marco Messina analysiert die Lage und zeigt auf, welche Branchen und Aktien jetzt besonders profitieren könnten.
US-Politik verunsichert Anleger
Was nun, Mister Trump? Der US-Präsident lässt beinahe stündlich mit neuen Nachrichten aufhorchen, die Anleger verunsichern. Doch es gibt auch Branchen und Aktien, die aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen verheißungsvoll erscheinen. Welche das sind, beleuchtet Börsenfuchs Marco Messina im Gespräch mit SD-Chefredakteur Frank Giarra.
Die künftige Bundesregierung will richtig viel Geld in die Hand nehmen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Gibt es noch Branchen und Aktien, die vom Sondervermögen profitieren könnten, aber noch nicht angezogen haben?
Marco Messina: Sehr gute Frage – gerade, wenn eine Regierung ein Sondervermögen oder große Investitionsprogramme auflegt, entstehen oft sektorale Chancen, die der Markt zunächst nicht vollständig einpreist. Der Fokus liegt meist auf bekannten „Hauptgewinnern“, aber gerade im Schatten davon kann es noch interessante Titel geben.
Jetzt haben wir einmal das Sonderprogramm der Bundesregierung, aber was in den letzten Tagen etwas untergegangen ist: Wir haben auch den Beschluss in der EU, jetzt rund 150 Milliarden Euro zu investieren und in den kommenden vier Jahren noch mal 800 Milliarden Euro in die Verteidigungsfähigkeit der EU. Anders als beim Sondervermögen der deutschen Regierung ist hier der Zweck aber enger gefasst. So dürfen die Investitionen nur in Rüstungsprojekte, die zu mindestens 65% in Europa entstehen und wo keine Abhängigkeit zu anderen Nationen bestehen.
Bau & Infrastruktur, gerade auch aus der zweiten Reihe haben zwar in Teilen reagiert, aber in der Summe noch viel zu gering. Warum? Großprojekte in Bahn, Brücken, Schulen, Digitalisierung der Verwaltung werden sicherlich massiv ertüchtigt werden.

Marco Messina, Chefanalyst Aktien Navigator
Aktien mit Potenzial
Beispielhafte Aktien, die noch nicht stark gelaufen sind, wären:
- Porr AG (Österreich) – viel Infrastruktur-Know-how, aber unter dem Radar. Auch einer meiner Favoriten beim Wideraufbau der Ukraine
- Bauer AG – Spezialtiefbau, zuletzt arg gebeutelt, aber gute Turnaround-Chance.
- Nexus AG – liefert Software für Krankenhäuser, könnte vom Gesundheitsinfrastrukturprogramm profitieren.
- Steico SE– ökologische Dämmstoffe, stark in öffentlicher Gebäudesanierung, profitiert dann auch von den Beträgen, die die Grünen noch wegen Klimaschutz ins Paket gedrückt haben.
Jetzt fragen Sie sich sicherlich, wie identifiziert man die „Schläfer“? Ein Ansatz den ich gewählt habe: Marco, finde Aktien, deren Geschäftsfeld stark mit der politischen Agenda verknüpft ist, die aber 2023 bis 2024 schlecht gelaufen sind.
Prüfe, ob die schlechte Performance nicht fundamental, sondern eher marktpsychologisch bedingt ist. Schaue auf Auftragslage vs. Börsenbewertung: Gibt es zum Beispiel hohe Auftragseingänge, aber eine niedrige Bewertung? Bauer ist da so ein richtig gutes Beispiel, von Markttiming, hausgemachte Probleme etc. die aber jetzt Rückenwind bekommen könnten.
Für wie sicher halten Sie es, dass das Sondervermögen tatsächlich kommt?
Marco Messina: Nachdem der Bundespräsident ja am Wochenende schon die Tinte unter das Gesetz hat trocknen lassen, glaube ich nicht, dass jemand die Hürde beim Verfassungsgericht noch überwinden wird. Gut, dass wir in einer Demokratie leben, in der es die Möglichkeit gibt, solche Änderungen auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen zu lassen. Daher finde ich es auch nicht schlimm, wenn Parteien oder Privatpersonen es jetzt noch einmal versuchen.
Die, Frage die sich mir stellt: Wird das Geld wirklich so ausgegeben, wie es ursprünglich geplant war, oder kommen da nicht wieder irgendwelche Politiker und schicken noch mal 100 Millionen Euro nach Syrien für den Straßenbau dort oder 50 Millionen Euro nach China für gendergerechte Fahrradwege. Sorry, das ist etwas Polemik aber ich glaube, dass ist einfach das größte Risiko, dass hier jetzt Millionenbeträge zweckentfremdet werden. Wir werden in ein bis zwei Jahren sehen, ob der Merz wie ein Tiger gestartet ist, aber als Bettvorleger enden wird.
US-Politik zerdeppert alles
Ist es Ihrer Meinung nach an der Zeit, sich von US-Aktien abzuwenden und mehr auf europäische/deutsche Aktien zu fokussieren?
Marco Messina: Ganz klares Ja. Aber davon rede ich ja nicht erst seit heute, sondern seit Monaten, wenn nicht sogar schon seit Minimum einem Jahr. Viele Bewertungen sind überzogen gewesen. Kurs-Gewinn-Verhältnisse jenseits von Gut und Böse. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dort im Technologiesektor einmal Luft rausgelassen wird.
Dazu kommt die Verunsicherung. Ein Unternehmen kann noch so gute Produkte anbieten und günstig bewertet sein, wenn das Umfeld so verunsichert, dass man dann nicht zugreifen will. Die US-Politik agiert wie ein Elefant im Porzellanladen und zerdeppert augenscheinlich beste Beziehungen zu den Verbündeten.
Wer will denn jetzt noch wichtige US-Rüstungsgüter kaufen, wenn Trump live im TV erzählt, dass die anderen Nationen eine Version von einem Flugzeug bekommen, dass man auf bis zu 10% abspecken kann, weil man ja nicht wisse, ob die Nation irgendwann noch zu den Verbündeten zähle? Das ist Selbstmord auf Raten. Wer sagt uns, dass nicht Intel plötzlich die Leistung unserer Chips in den Computern aus der Ferne drosselt? Oder Microsoft uns auf Anordnung plötzlich Officefunktionen wegnimmt oder der US-Regierung das Mitlesen ermöglicht?
Marco, Du hast den Aluhut auf und gehst unter die Verschwörungstheoretiker? Mitnichten, wenn ich an 2013 zurückdenke. Die NSA hatte damals weltweite Überwachungsprogramme installiert, unter anderem das Programm PRISM, das direkt auf Daten großer US-Tech-Firmen wie Google, Facebook und Apple zugreifen konnte. Die Amerikaner konnten schon damals nahezu alles bei uns mitlesen. Besonders brisant war die Enthüllung, dass das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel jahrelang abgehört wurde. Ihr berühmter Satz damals: „Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht“.
Auch andere europäische Regierungen und Institutionen wie die EU-Kommission wurden überwacht. US-Präsident im Jahr 2013 war Barack Obama. Er befand sich damals in seiner zweiten Amtszeit, hatte also in den vier Jahren zuvor schon auf diese Weise europäische Verbündete ausspähen lassen. Wenn ein „Freund“ das in 2013 schon so machte, warum sollte man dieser Trump-Regierung in 2025 es nicht zutrauen? Anders als die vorherigen Präsidenten macht Trump es halt nur nicht heimlich, sondern droht einfach ganz öffentlich damit. Daher lasse ich von US-Technologieaktien derzeit die Finger.
Energie, Bau & Sanierung
Welche Branchen sind aus Ihrer Sicht jetzt besonders verheißungsvoll?
Marco Messina: Gute Frage. Gerade 2025, mit all den geopolitischen, technologischen und wirtschaftspolitischen Umbrüchen, ist ein guter Zeitpunkt, um die nächsten starken Sektoren zu identifizieren. Ich gebe dir mal einen Überblick über verheißungsvolle Branchen, die entweder gerade anspringen oder noch unter dem Radar laufen:
- Europäische Rüstungswerte
- Energie – aber differenziert! Denn Energiesicherheit, Speichertechnologie, grüne Transformation – aber mit Realismus – werden wichtige Stützpfeiler werden. Besonders spannend in meinen Augen: Energiespeicher/Batteriesysteme, Geothermie (kommt langsam, aber stetig) und vor allem kritische Rohstoffe (zum Beispiel Kupfer, Seltene Erden). Die Länder werden sich von der Energieversorgung unabhängiger machen MÜSSEN!
- Bau & Sanierung – „Green Deal“ konkret. Warum? Staatliche Programme für Sanierung, Infrastruktur, Wärmewende mit Mittelständlern aus der zweiten Reihe und dabei den Fokus auf Energieeffizienz, Wärmepumpen, Dämmstoffe legen. Zum Beispiel mit Porr oder auch Steico, die ich schon genannt hatte.
- Automatisierung & Robotik. Warum? Fachkräftemangel + KI = Druck zur Automatisierung in Logistik, Fertigung, Pflege. Aber hier unbedingt auf Unternehmen setzen, die einen realen Umsatz und nicht nur Hype liefern und dabei spezialisierte Nischen bedienen, etwa Lagerautomation und Pflegeroboter.
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