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Warum deutsche Value-Aktien in den Fokus rücken

Gute Dividenden

US-Präsident Donald Trump ist bekanntlich um markige Worte nie verlegen, und so hat er kurzerhand den kommenden Mittwoch zum „Liberation Day“ ausgerufen. Gemeint ist damit natürlich seine Zoll-Politik, diesbezüglich will er die Karten auf den Tisch legen. Wie können und sollten Anleger angesichts der derzeit unsicheren Lage reagieren?

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Trump schwingt die Zoll-Keule

Was ist von den Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zu halten? Welche Branchen und Aktien bevorzugt aktuell ein Börsenprofi wie Marco Messina? Im Gespräch mit SD-Chefredakteur Frank Giarra zeigt der Fuchs auf, wo er gute Chancen sieht.

US-Präsident Trump hat erneut die Zollkeule geschwungen, diesmal trifft es Autos. Was bedeutet das für Anleger?

Marco Messina: Die Märkte haben derzeit eine kleine Affinität für Menschen mit BSDM-Neigung. Irgendwie weiß man, dass es weh tun wird und das Safe-Wort lautet: Zölle. US-Präsident Donald Trump hat ja bekanntermaßen angekündigt, ab dem 3. April Zölle in Höhe von 25% auf alle nicht in den USA produzierten Autos sowie Autoteile zu erheben. Ich bin gespannt, ob es Donnerstag wirklich dazu kommt oder nicht doch noch kurzfristig eine Verschiebung angekündigt wird.

Diese Maßnahme zielt ja eigentlich darauf ab, die heimische Autoindustrie zu stärken und das Handelsdefizit der USA zu reduzieren. Dennoch fallen auch die US-Autohersteller deutlich im Aktienkurs. Warum? Eben weil die Zölle auch auf Autoteile anfallen, also nicht nur auf komplett fertiggestellte Autos, und auch der Schaden bei den traditionellen US-Herstellern in die Milliarden gehen wird!

Die neuen Zölle werden voraussichtlich erhebliche zusätzliche Kosten für GM und Ford verursachen, wir sprechen hier nicht über Peanuts: Im Jahr 2024 importierte GM etwa 750.000 Fahrzeuge aus Kanada und Mexiko in die USA. Rund 46% der in den USA verkauften GM-Fahrzeuge wurden zuvor importiert oder in Teilen importiert. Also jedes zweite Fahrzeug aus dem Hause GM ist von den Zöllen betroffen. Obwohl Ford als US-Traditionsmarke gilt, produzierte das Unternehmen viele Modelle in Mexiko und importiert von dort jährlich eine sechsstellige Anzahl an Fahrzeugen in die USA.

Analysen von JPMorgan prognostizieren für GM zusätzliche Zollkosten von 10,5 Milliarden US$, die langfristig auf 13 Milliarden US$ ansteigen könnten.  Für Ford werden zunächst zusätzliche Kosten von zwei Milliarden US$ erwartet mit einem möglichen Anstieg auf 4,5 Milliarden US$. Und Donald Trump hat wohl vor einigen Wochen mit den CEOs amerikanischer Hersteller gesprochen und diese angehalten, ihre Preise nicht zu erhöhen. Etwas, was in Anbetracht der Größenordnung kaum zu bewerkstelligen ist.

Als Anleger soll man ja gerade dann zugreifen, wenn andere diesen Sektor mit der Kneifzange nicht anfassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses negative Szenario gerade ein guter Zeitpunkt sein könnte für unsere heimischen Automobilhersteller. Diese befinden sich zwar noch mitten in einer Transformation und die Bodenbildung ist noch nicht erfolgt, aber die KGVs sind spottbillig und die Dividendenrenditen dennoch hoch. Man hat zwar die USA als wichtigen Absatzmarkt, aber jemand, der sich einen Porsche kaufen möchte oder einen Mercedes AMG C63, dem werden vermutlich die höheren Preise auch nicht wehtun.

Marco Messina, Chefanalyst Aktien Navigator

Edelmetalle sind sichere Häfen

Bieten Edelmetalle und Rohstoffe aus Ihrer Sicht gerade gute Investitionschancen?

Marco Messina: Edelmetalle wie Gold und Silber gelten ja traditionell als sichere Häfen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und erhöhter Marktvolatilität und haben in den letzten Wochen auch genau das gemacht, wofür sie stehen. Angesichts der aktuellen Handelskonflikte und geopolitischen Spannungen könnten Investitionen in diese Rohstoffe eine Absicherung gegen mögliche Marktschwankungen aufbieten.

Das kann man natürlich durch Investitionen in Einzelaktien, ETFs oder Zertifikate wie Xetra Gold abbilden oder auch in Münzen und Barren im Schließfach. Ich denke eine Mischung aus allem ist für die Abdeckung der Rohstoffinvestitionen bei einer guten Asset Allocation angebracht.

Grundlegend dürfte der Rohstoffsektor durch die ganzen Trump-Dekrete profitieren. Asien und Europa werden sich ihren Anteil an wichtigen Rohstoffen sichern müssen, nachdem Trump versucht, die Abhängigkeit der USA von anderen Ländern zu reduzieren. Auch dass er von der Ukraine einen Rohstoffdeal will und nach Grönland greift, zeigt es ja auf: Es geht ihm im Endeffekt ausschließlich um die Rohstoffe, die dort liegen. Ein strategisches Denken, was bei den ganzen irren Aussagen irgendwie noch ein wenig zu kurz kommt.

Das ist etwas, was wir historisch ja immer wieder von Nationen gesehen haben, vor allem wenn sich Länder zu einer Autokratie oder Diktatur gewandelt haben. Wir in Deutschland kennen es ja nur zu gut, wie im Juni 1941 schon Adolf Hitler mit der Operation Barbarossa versucht hat, mit drei Millionen deutschen Soldaten Russland zu überfallen – mit dem Hintergrund, an die vielen Rohstoffe zu kommen, die Russland zu bieten hat.

Was spricht derzeit dagegen, dass die USA in Grönland „einmarschieren“? Die Drohgebärden sehen im Moment leider so aus, als würden die USA voll auf Konfrontation mit Dänemark gehen, rein aus Gier nach den Rohstoffen dort.

Fokus auf Europa und Asien

Sie sind Spezialist für Dividenden-Titel. Welche haben Sie da derzeit im Visier?

Marco Messina: Da bin ich derzeit breit gestreut unterwegs. Einige Aktien, die wir im Aktien Navigator haben, haben in den letzten Tagen wieder sehr positive Dividendenvorschläge veröffentlicht. So hat ein deutscher Nebenwert eine Dividende mit rund 10% Dividendenrendite verkündet. Gerade die deutschen Aktien, die aus dem Value-Sektor kommen und kontinuierlich wiederkehrende Erträge einfahren, bestechen mit guten Ausschüttungshöhen.

Ich bin im Moment in den USA deutlich untergewichtet und fokussiere mich da eher auf Europa und auch zum Teil neu jetzt in Richtung Asien. Da gibt es ja in Hongkong auch einige interessante Dividendenaktien, die sogar ohne Quellensteuer sind.

Wobei man jetzt natürlich auch aufpassen muss. Ich muss nun keine Aktie mehr ins Depot nehmen, die ihre Rallye in den letzten Wochen gemacht hat, um noch die hohe Dividendenrendite in wenigen Tagen mitzunehmen – und dann den Dividendenabschlag im Depot als Kursverlust zu spüren. Manchmal bietet sich dann auch an, am Ex-Tag mit dem Dividendenabschlag auf Einkaufstour zu gehen und sich dann auf die Dividende in 2026 zu freuen und auf den bis dahin hoffentlich erfolgten Kurszuwachs.

Unruhe im Biotech-Sektor

Wie sieht es mit Biotech-Aktien aus, investieren Sie in diesem Sektor momentan auch?

Marco Messina: Der jüngste Rücktritt von Dr. Peter Marks, dem Leiter des Zentrums für Biologika-Bewertung und -Forschung der US-amerikanischen Food and Drug Administration (kurz FDA), hat in den letzten Stunden für erhebliche Unruhe in der Pharma- und Biotechbranche gesorgt. Dr. Marks, der eine zentrale Rolle bei der schnellen Zulassung von Covid-19-Impfstoffen spielte, trat zurück, nachdem er vom Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (der ja Impfskeptiker ist und auch die Vogelgrippe und Masern im Moment in den USA unkontrolliert einfach laufen lässt) vor die Wahl gestellt wurde, entweder zu kündigen oder entlassen zu werden.

In seinem Rücktrittsschreiben kritisierte Dr. Marks die Verbreitung von Fehlinformationen und mangelnde Transparenz unter der Führung von Minister Kennedy und warnte vor den Gefahren, das Vertrauen in Impfstoffe zu untergraben.

Das sind Vorzeichen, die den US-Biotech- und Pharmasektor in dieser Woche sicherlich erst einmal belasten werden. Ich habe einige Aktien aus dem Universum des No Brainer Club (NBC), würde aber derzeit aus eigenem Bestreben da keine neuen Engagements eingehen. Da kann NBC-Chefanalyst Maximilian Ruth viel besser die neuen Perlen ausgraben als ich.

(Apropos: Für Anleger auf der Suche nach Chancen im Biotech-Sektor bietet Biotech-Report Einblicke in zwei aufstrebende Firmen, die vom Trend zu Abnehmpräparaten massiv profitieren dürften.)

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